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NCI Aktuell Archiv August 2012
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Donnerstag, 30.8.2012
Bernfried Brüggemann ist gestorben (Update mit Terminangabe zur Trauerfeier)
Am Dienstag ist unser lieber Kollege Bernfried Brüggemann gestorben - so manche Schlacht im Kampf um unsere Jobs haben wir gemeinsam gewonnen, den Kampf gegen den Krebs hat er nun leider verloren.
Diese Nachricht kam für mich nicht wirklich überraschend, ich weiß schon seit Monaten von Bernfrieds Erkrankung, wir waren ja doch nicht nur Kollegen und Kampfgefährten sondern sind zuletzt auch Freunde geworden, haben viel geredet, diskutiert, politisiert, noch am Sonntag haben wir zuletzt telefoniert - er war sich seines Schicksals schon seit Monaten völlig im Klaren. Was es aber nicht besser macht, Bernfried hinterlässt eine riesige Lücke, natürlich für seine Familie, für seine Frau und seine Kinder, aber auch für seine (ex-) Kollegen und Freunde.
Warum ausgerechnet Bernfried? Der Tod kennt kein Warum.
Wer Bernfried war, wen wir also nun verloren haben, kann man nicht nur in ein paar Zeilen beschreiben.
Viele Kollegen kannten ihn als engagierten Metaller der zugleich doch auch NCI-Fan war, als engagierten und kompetenten, aufrichtigen und standhaft kämpferischen Betriebsrat und als letzten BR-Vorsitzenden der berüchtigten Münchner Hofmannstraße vor ihrer Schließung.
Vor allem aber war Bernfried (auch seiner eigenen Selbsteinschätzung nach) ein "Kopfmensch" - Einer, der sich über alles einen Kopf machte, und der dann auch konsequent auf seinen Kopf hörte. Denken, Reden, Handeln, Leben, das alles war dann für ihn Eins. Wenn Bernfried etwas für richtig (und wichtig) erkannt hat, dann hat er sich auch ganz konsequent dafür eingesetzt, und wenn er etwas für falsch und schlecht erkannt hat, hat er's genauso konsequent bekämpft. Nicht nur schön geredet sondern auch gehandelt, und dies mit ganzem Herzen.
DAS ist wohl der eigentliche Grund, warum er so ein guter Betriebsrat und Kampfgefährte beim Kampf um unsere Jobs war.
Vor allem aber werden wir nicht den BR-Vorsitzenden, sondern den Menschen Bernfried Brüggemann vermissen.
Du wirst uns fehlen!
Die Trauerfeier und Urnenbestattung für Bernfried findet am 4.9.2012 um 10h00 auf dem Friedhof in Eichenau (Hauptstraße, Ecke Holzkirchner Straße in 82223 Eichenau) statt.
(bt)
Mittwoch, 29.8.2012
Protektionismus als Doping für die Volkswirtschaft?
Eine nicht ganz neue Diskussion, erneut angefacht durch ein Duell zwischen der Siemens-Managerin Ederer und der französischen Politikerin Aubry.
Der aktuelle Hintergrund: Die französische Stadt Lille vergab einen 266-Mio-Euro-Auftrag zur Modernisierung der fahrerlosen U-Bahn an den heimischen Alstom-Konzern, obwohl Siemens ein günstigeres Angebot abgegeben hatte. Daraufhin reichte Siemens beim Verwaltungsgericht Lille Klage auf Prüfung des Vergabeverfahrens ein - gleichzeitig führten Beschwerden von Aubry zu Vorermittlungen, weil sich Aubry durch die Drohung, wenn Siemens leer ausgehe, dann könne dies Stellenabbau in Frankreich erforderlich werden lassen, erpresst gefühlt habe.
Man sollte nun diesen Konflikt nicht etwa als Stutenbeißen von zwei machtbewussten Frauen abtun: Vielmehr geht es hier schlichtweg um die gute alte Protektionismus-Diskussion.
Unvergessen die Ausschreibung der France Telecom vor einigen Jahren, bei der zunächst Siemens den Auftrag erhielt - bis die französische Alcatel mit Stellenabbau in Frankreich drohte, und prompt wurde der Auftrag dann doch noch Alcatel zugeschanzt.
Aber es gibt noch viel mehr Beispiele für gut funktionierenden, erfolgreichen Protektionismus, so z.B. vor einigen Jahren die staatliche Förderung der japanischen Chipindustrie im ruinösen Verdrängungswettbewerb, oder aktuell die staatliche Unterstützung der Chinesen für Huawei – diese Firma wächst ja nicht nur wegen der chinesischen Billiglöhne so erfolgreich auf dem Telekommunikationsmarkt.
Die besten Gegenbeweise gegen die These, dass Protektionismus einen grundsätzlich wettbewerbsunfähig werden ließe!
Letztlich versucht ein Staat mit Protektionismus einfach nur etwas für die eigene Volkswirtschaft zu tun, ihr Wettbewerbsvorteile zu erschleichen – was nur funktioniert, wenn alle Anderen weiter brav an die Spielregeln der freien Marktwirtschaft glauben und sich daran halten, denn wenn ALLE „dopen“, dann hat keiner einen Vorteil davon. Doping verhilft mir nur dann zur Goldmedaille, wenn ich der Einzige bin, der dopt. Daher sind es häufig gerade die Doper selber, die am lautesten gegen Doping wettern – damit’s die Anderen nicht auch tun! Sonst wäre der Vorteil ja wieder dahin.
So ist das wohl auch mit dem Wirtschafts-Doping: Protektionismus.
Auch hier gilt die Regel: Protektionismus ist Teufelszeug, Finger weg – für alle Anderen!
Ich selber aber wahre ja nur die berechtigten Wirtschaftsinteressen meines Landes und sichere unsere Arbeitsplätze!
Soll man sich nun über solche protektionistischen Anwandlungen ärgern?
Nein, nicht ärgern sondern davon lernen!
Muss man sie sich gefallen lassen? Nein, sondern auf ein konsequentes „gleiches Recht für alle“ eintreten.
(bt)
Mittwoch, 29.8.2012
NSN-Restrukturierung: Ergebnisse in der Region West und Nord
Als Letzte haben Mitte August die Regionen West und Nord einen Interessensausgleich und Sozialplan unterschrieben. In der Region West müssen 261 Mitarbeiter (von ca. 850) gehen und es bleiben die Standorte Düsseldorf und Bonn erhalten. In der Region Nord bleibt Hamburg mit 45 Arbeitsplätzen erhalten (ca. 100 Arbeitsplätze werden abgebaut).
Die Rahmenbedingungen in der Region Nord sind vergleichbar mit den Regionen Süd, Ost und SW mit einigen Änderungen:
Die Rahmenbedingungen in der Region West unterscheiden sich davon in zwei Punkten deutlich positiv:
Vergleich der Abfindungsregelungen
Die Formeln und die Matrixfaktoren gibt es im Intranet (Unterlagen nur im Intranet).
Mch M Süd Ost Süd-West West Nord Bemerkungen
Berechnungs- formel 12xBMG (+10.000€) DJxBMGx0,8 BMG(13,5/12)xDJxMx0,7 BMGxDM/12xM’x0,8 BMGxDJxM’’x0,7
(+3.000 oder 6.000 €)
BMGxDM/12x0,7 Für Mch ab 7 Betriebsjahre;
in Klammern IGM-Bonus.
Für spätentschlossene in Süd verringert sich der Faktor 0,8 auf 0,6
Für West ab Alter 35J. +3.000 € ab 47J. +6.000 €
Abfindung nach 10 DJ 12xBMG (+10.000€) 8xBMG 5,1xBMG 6xBMG** 5,25xBMG
(+3.000 oder 6.000 €)
7xBMG Abfindung mit 10 DJ, M=0,65*
Abfindung nach 15 DJ 12xBMG (+10.000€) 12xBMG 8,86xBMG 9xBMG** 8,925xBMG
(+3.000 oder 6.000 €)
10,5xBMG Abfindung mit 15 DJ, M=0,75*
Abfindung nach 20 DJ 12xBMG (+10.000€) 16xBMG 11,8xBMG 12xBMG** 14xBMG
(+3.000 oder 6.000 €)
14xBMG Abfindung mit 20 DJ, M=0,75*
BMG: Bruttomonatsgehalt
DJ: Dienstjahre
DM: Dienstmonate
M: Matrixwert
*) Bei der Berechnung des Matrixfaktors in Ost habe ich angenommen, dass die meisten Mitarbeiter nach der Wende (oder später) als junge Menschen bei Siemens angeheuert haben.
**) Bei der Berechnung des Matrixfaktors M’ in SW habe ich angenommen, dass die meisten Mitarbeiter zwischen 42 Jahren und 50 Jahren alt sind (M=0,75)
(INTR)
Freitag, 24.8.2012
Stellenabbau bei Siemens?
Die Börsenzeitung spekulierte am 21.8. über einen bevorstehenden Personalabbau bei Siemens; dabei heißt es zunächst noch „bei Siemens könnten tausende Stellen wackeln“, dann aber noch bedrohlicher „vielleicht werde sogar die symbolträchtige Zahl von 10.000 Stellen übertroffen“. Schluck!
Das könnte freilich ein Stück weit auch die (anders als zum beE-Start versprochen) enttäuschend wenigen Siemens-Stellenvermittlungen an die NSN-beE’ler erklären – und auch wieder nicht, denn NOCH sind die Stellen ja da – aber anscheinend nicht für die beE-Kollegen?
(bt)
Dienstag, 21.8.2012
"Ingenieurmangel": Nur jammern hilft niemandem.
Laut einer Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber fühlen sich 57 % der befragten Betriebe in ihrer Tätigkeit durch Mangel an Arbeitskräften behindert. Am schwierigsten seien freie Stellen für Ingenieure zu besetzen: 38 % gar nicht und 49 % nur mit Schwierigkeiten. (somit also nur 13 % ohne Probleme!) Die Situation habe sich auch in der beginnenden konjunkturellen Abkühlung nur unwesentlich verbessert. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossart: "Der Fachkräftemangel ist kein konjunkturelles sondern ein strukturelles Problem." (Quelle SZ vom 21.8.2012)
"Strukturell" heißt ja wohl: In der einen Branche herrscht Krise, während es in der anderen eher aufwärts geht. Hier werden weniger Ingenieure gebraucht, dort eher mehr. Arbeitgeber, die wirklich(!?) dringend nach Fachkräften suchen, werden also am ehesten fündig, wenn sie Branchenwechsler nicht grundsätzlich ablehnen, sich auch Bewerbungen mit etwas komplizierteren Lebensläufen ansehen, sich mal eher einen Bewerber mehr einladen als einen zu wenig. Eine etwas längere Einarbeitung muss man dann auch mal in Kauf nehmen. Immer nur jammernd auf den einzigwahren passgenauen Bewerber zu warten, das kann's doch wohl nicht sein! Wer 20, 25 oder gar 30 Jahre als Ingenieur tätig war, hat in den allermeisten Fällen bereits mehrmals einen Strukturwandel erlebt und gemeistert. Diese positive Erfahrung bringt ein Branchenwechsler meistens mit, die Arbeitgeber sollten ihm eine Chance geben und endlich aufhören zu jammern.
(rk)
Dienstag, 21.8.2012
Was ist NSN/Nokia wirklich wert?
Schaut man sich die Kursdaten der Nokia-Aktie vom 16.8 an, dann erreichte die N-Aktie einen erneuten Traumwert von 2,20 € und war somit am Markt so um die 7,52 Mrd. € wert. Wenn man aus dem Marktwert gegenüber dem Kurswert die gesamte Sharezahl ansieht, so kommt man auf gerundete 3,418 Mrd. N- Aktien. Setzt man diesen die am Markt gehandelten 1.238.249 Shares entgegen, so löst es doch in den Augen des Betrachters Erstaunen aus, wie mit vergleichsweise wenig gehandelten Shares einen Kurs von 2,15€ (9:00) doch so beeinflussbar ist. Bei nur einem Cent Kursänderung wären das bei den gehandelten Shares nur eine Wertänderung von 12.382,49€ welcher sich auf den Gesamtwert in Summe von 34.180.000 € auswirkt. Also mit einem verhältnismäßig geringen Einsatz, werden hier gigantische Summen bewegt bzw. Buchwerte erzeugt.
Schaut man sich jedoch die derzeitigen Pressemeldungen zum Thema Nokia an, so fällt einem auf, dass diese durchaus in alle Richtungen gehen. Die einen sagen halten, andere sagen verkaufen und andere denken kaufen oder doch lieber den Gewinn realisieren? Es ist wie immer eine Kunst und das entsprechende Gespür für den Markt.
Und nun? Was ist denn nun Nokia oder NSN wirklich wert? In einer jüngsten Analyse des Analysten Evercore Partners (www.aktiencheck.de) kommt dieser bei der N-Aktie zu einer Ersteinschätzung mit „equal weight“ (gleiches Gewicht) und einem Kursziel von 3 USD (2,43€). Durch seine Sum of the parts-Bewertung veranschlagt er für das N-Patentportfolio je 1,10 USD (0,89€)*, für den Cash 0,70 USD (0,57€) sowie für das Joint-Venture-NSN 0.35 USD (0,28€). Das sind also in Summe 2,15 USD (1,74€). Wobei da wohl die fehlenden 0.85 USD (0,69€) wohl etwas Kursfantasie sind?
Ja was ist denn nun NSN wert? Wenn man nun die in dieser Analyse erwähnten oder berechneten Zahlen genauer ansieht und unterstellt, das die andere Mutter auch fast 50% besitzt, dann errechnet sich somit ein Wert von 2.392.727.272,73 USD (1.936.333.687,27€) für dieses Joint Venture.
Aber den derzeit wahren Wert kennen wohl eh nur die jeweiligen CFO’s der beiden Mütter. Es wird spannend bleiben, wie sich die Aktie von N, ebenso wie sich dieses Joint Venture vom Wert her entwickeln wird. Klar im Moment ist wohl etwas Fantasie mit drin, nur was wenn der Traum platzt und es da dann noch keine Spitzenprodukte gibt, die der Kunde auch will? Was wenn die Fantasie von einer ganz anderen Realität eingeholt wird? So oder so?
Es ist schon erstaunlich, wie viele Meinungen und Fantasie doch bei der Börse mitspielen. Aber egal, ob man gewinnt, verliert oder einfach nur seinen Share hält. Das eingesetzte Geld ist nicht wirklich weg, sondern eben nur anderswo. Es wurde eben nur umverteilt.
Aber das soll jeder für sich entscheiden, so oder so, als Mitarbeiter, Aktionär oder eben nur als Mensch. Es lassen sich alle Richtungen und Meinungen vertreten, hier nur eine kleine Auswahl:
Nord LB mit Kursziel 1,30€ : www.aktiencheck.de
Hot Stocks Europe: www.aktiencheck.de
Der Aktiomär: Gewinne realisieren: www.aktiencheck.de
Danske Market Equities: Kursziel 1,20€, Verkaufen wegen Kapitalerhöhung: www.aktiencheck.de
Aktiencheck.de: halten www.aktiencheck.de
Man kann dann gespannt sein, welche Kursfantasien denn einmal NSN entfacht, wenn es jemals an die Börse geht...
(1 USD = 0,81€)
(pg)
Montag, 20.8.2012
Es geht weiter: Betriebsschließungen bei Nokia Siemens Networks, die n-te
Neueste Wasserstandsmeldung bei NSN:
Nach München, Augsburg, Leipzig, Berlin, Mannheim, Bruchsal und Ulm sollen nun auch noch Düsseldorf und Bonn erhalten bleiben (Düsseldorf dürfte dabei von der Präsenz von Vodafone und E-Plus, und Bonn von der Deutschen Telekom profitieren), wohingegen sich Dortmund, Essen, Münster und Siegen dem Reigen der zu schließenden Standorte anschließen, nach Nürnberg, Würzburg, Chemnitz, Dresden, Halle, Erfurt, Cottbus, Frankfurt, Freiburg, Heilbronn, Ohlsbach, Saarbrücken, Stuttgart und Vöhringen. (/nachrichten.rp-online.de) - Eine stattliche Liste, mit der aber noch immer nicht das Ende vom Lied erreicht ist, denn um weitere Schließungen in der NSN-Region Nord wird noch immer gerungen.
Da ist es wenig Trost, dass NSN auch in anderen Ländern, selbst im Niedriglohnland China schrumpft: So soll NSN u.a. in der „greater China region“ weitere 320 Stellen abbauen. (www.chinanews.ch)
Das macht es aber auch nicht besser: Auch die dortigen NSN-Kollegen würden gerne ihre Jobs behalten, und mit dem dortigen Abbau wird auch ganz sicherlich kein Arbeitsplatz in Deutschland erhalten.
Wohin das blaue Auge blickt, es geht bergab.
(bt)
Samstag, 11.8.2012
NSN-Restrukturierung: Ergebnisse in der Region Süd-West
Am 2.8.12 wurde in der Region SW ein Interessensausgleich und Sozialplan unterschrieben. Als einziger bleibt dort der Standort Mannheim mit 58 Mitarbeitern erhalten. Etwa 100 MitarbeiterInnen müssen gehen. Die Rahmenbedingungen sind vergleichbar bis gleich mit den Regionen Süd und Ost (siehe unser Artikel Mittwoch, 1.8.2012, NSN-Restrukturierung: Einigung in Regionen Ost und Süd):
Statt der bisher üblichen Deckelung von 110.000€ (bzw. 120.000€) gilt die folgende Formel für die max. Abfindung:
Bruttomonatseinkommen * Dienstjahre * 0,8
Diese Deckelung ist für ältere und gut verdienende Mitarbeiter günstiger.
Vergleich der Abfindungsregelungen
Die Formeln und die Matrixfaktoren gibt es im Intranet (Unterlagen nur im Intranet).
Mch M Süd Ost Süd-West Bemerkungen
12xBMG (+10.000€) DJxBMGx0,8 BMG(13,5/12)xDJxMx0,7 BMGxDM/12xM’x0,8 Für Mch ab 7 Betriebsjahre;
in Klammern IGM-Bonus.
Für spätentschlossene in Süd verringert sich der Faktor 0,8 auf 0,6
12xBMG (+10.000€) 8xBMG 5,1xBMG 6xBMG** Abfindung mit 10 DJ, M=0,65*
12xBMG (+10.000€) 12xBMG 8,86xBMG 9xBMG** Abfindung mit 15 DJ, M=0,75*
12xBMG (+10.000€) 16xBMG 11,8xBMG 12xBMG** Abfindung mit 20 DJ, M=0,75*
BMG: Bruttomonatsgehalt
DJ: Dienstjahre
M: Matrixwert
*) Bei der Berechnung des Matrixfaktors in Ost habe ich angenommen, dass die meisten Mitarbeiter nach der Wende (oder später) als junge Menschen bei Siemens angeheuert haben.
**) Bei der Berechnung des Matrixfaktors M’ in SW habe ich angenommen, dass die meisten Mitarbeiter zwischen 42 Jahren und 50 Jahren alt sind (M=0,75)
Die Abfindung gibt es auch wenn jemand betriebbedingt gekündigt werden sollte. Die individuelle Kündigungsfrist (bis zu 7 Monaten) bleibt bestehen.
Zur weiteren Bewertung siehe unser Artikel Sonntag, 5.8.2012, NSN-Restrukturierung: Ergebnisse in den Regionen Ost und Süd vs. München
(INTR)
Freitag, 10.8.2012
Es geht weiter: Betriebsschließungen bei Nokia Siemens Networks, die Fortsetzung
Wie schon in unserem Artikel vom 31.7. angedeutet, dreht sich das NSN-Schließungskarussell munter weiter.
Weitere sieben zu schließende Standorte (zusätzlich zu Nürnberg, Würzburg, Chemnitz, Dresden, Halle, Erfurt und Cottbus) wurden nun bekannt gegeben (www.boerse.de): Auch Frankfurt, Freiburg, Heilbronn, Ohlsbach, Saarbrücken, Stuttgart und Vöhringen sollen plattgemacht werden. Und auch damit dürfte noch nicht das Ende vom Lied gesungen sein.
Mannheim, Bruchsal und Ulm sollen hingegen, wie auch schon München, Augsburg, Leipzig und Berlin, erhalten bleiben.
(bt)
Dienstag, 7.8.2012
Kündigung in der beE
Vorsicht liebe Kollegen in der NSN-beE:
Auch wenn es nicht allzu viele Verpflichtungen/Pflichttermine in der beE gibt, die paar die’s gibt sollte man/frau schon ernst nehmen!
Nicht nach dem Motto „ich habe hier eh nix mehr zu verlieren, der Job ist ja schon weg“: Doch, man kann noch etwas verlieren, nämlich Geld.
Wie wir erfahren haben, hat es bereits mindestens eine verhaltensbedingte Kündigung in der Münchner beE gegeben, wegen Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtungen in der beE - wie gesagt, einen Job, der damit weg sein könnte, hat man in der beE eh nicht mehr, aber man verliert durch so einen Schmarrn eben eine ganze Stange Geld, das muss nun wirklich nicht sein.
Und NSN hat mit dieser Kündigung bewiesen, dass sie bei so einer Gelegenheit nicht lange fackeln.
Also aufgepasst, nehmt das mit den beE-Pflichten nicht gar zu sehr auf die leichte Schulter, das kann teuer werden!
(bt)
Sonntag, 5.8.2012
NSN-Restrukturierung: Ergebnisse in den Regionen Ost und Süd vs. München
Viele Mitarbeiter in München haben die Verhandlungsergebnisse des dortigen Betriebsrats heftig kritisiert (siehe unsere Artikel Donnerstag, 26.4.2012, NSN München – gute und soziale Lösung?, Montag, 7.5.2012, NSN: Die Fehler des Betriebsrats in Mch-M und blog.nci-net.de).
Insbesondere habe ich die folgenden Fehler der Verhandlungsführer in München beanstandet:
Politische Fehler:
Taktische Fehler:
Wie sind die Verhandlungsergebnisse aus den Regionen Ost uns Süd zu beurteilen? Im Unterschied zu München dauerten die Verhandlungen sehr lange und auch die Ergebnisse sind verschieden. Sind sie auch besser?
Schon die erste Forderungen des Regionenausschusses waren deutlich anders als in München:
Der Vergleich mit den Forderungen in München (Dienstag, 5.6.2012, Fehler Nr. 3 des BR in Mch M: den IGM-Interessen untergeordnet), zeigt, dass die Betriebsräte im Regionenausschuss sehr viel Wert auf die soziale Gerechtigkeit und Freiwilligkeit gelegt haben.
Der Stand am 21.5.2012 kurz vor dem Scheitern der Verhandlungen war wie folgt (Details inkl. aller Zahlen im Bericht des Betriebsrats der Region West; nur im Intranet):
Das Endergebnis für Ost und Süd unterscheidet sich nur in Details von diesem Zwischenstand, so dass der Abbruch der Verhandlungen durch die Firmenleitung am 20.6.12 unverständlich bleibt. All die Firmendrohung mit Betriebsschließungen etc. haben die Betriebsräte nicht beeindruckt - das Ergebnis ist geblieben.
Wie sind die Abschlüsse in Ost und Süd im Vergleich zu München zu beurteilen?
Beide Regionen konnten zumindest ein Standort erhalten und die Abbauzahlen reduzieren, so dass alle drei Ergebnisse vergleichbar sind.
Der Preis in München war, dass der BR den Tabubruch Namenslisten hingenommen hat. Mit dieser Vorlage, war es vermutlich in den Regionen nicht mehr möglich Namenslisten komplett auszuschließen. Die Regionen konnten aber eine vorgeschaltete Freiwilligenphase erreichen, wodurch die Ungerechtigkeiten der Namensliste teilweise oder gar ganz ausgeschaltet werden könnten. Vorausgesetzt der BR achtet darauf, dass auch jeder Freiwillige genommen wird und die Firma auf ihr Einspruchsrecht verzichtet. Im Forum können sich die Betroffen darüber austauschen. Zusätzlich haben die Betriebsräte in Süd und Ost deutlich mehr Zeit als in München, um die Namenslisten nach Sozialkriterien zu prüfen. In München war diese Prüfung eine Farce: nur knapp 2 Tage für ca. 1.400 Betroffene!
Der Makel Namenslisten in Ost und Süd bleibt trotz Allem bestehen. Die BRs haben zwar die Mitarbeiter über die Erpressung mit den Namenslisten informiert. Aber anscheinend haben sie (wie auch in München) keine Abstimmung in den Belegschaften durchgeführt, ob diese Erpressung hingenommen wird oder ob der BR lieber in die Einigungsstelle gehen soll. Rein formal sind die BRs dazu nicht verpflichtet. Aber bei einem so gravierenden Tabubruch wäre mehr direkte Demokratie zwingend notwendig! So bleibt die Legitimation der Betriebsräte in diesem Punkt ungewiss (wie in München).
Weiter wurden die KollegInnen in München auf vier neue GmbHs verteilt, was nur von den wenigsten als positiv empfunden wird. In den Regionen Ost und Süd war dieses nicht notwendig. Alle drei Standorte haben eine Standortsicherung bekommen, in München bis 30.04.2015, in Süd und Ost bis 28.2.2014. Damit hätten die Münchner KollegInnen einen Vorteil – wenn all diese Garantien nicht so wachsweich wären: Ausgliederungen, (Teil-)Verkäufe, Abbau sind nach wie vor möglich.
Die KollegInnen in Ost und Süd bekommen eine 18-momatige beE, welche am 28.2.2014 endet. Die Münchner beE läuft 24 Monate, durch den früheren Beginn endet sie am 30.4.2014, also 2 Monate später als Süd und Ost. Dafür haben die KollegInnen 4 Monate länger 100% des Gehalts bekommen. Die Münchner beE kann für (einzelne) verlängert werden, wenn am 30.4.2014 noch Geld übrig bleibt. Dafür gibt es in Süd und Ost ein Qualifizierungsbudget, was es in München nicht gibt. Ein weiterer Unterschied ist, dass es in Ost und Süd kein IGM-Privileg gibt: 80% für Stichtag-Mitglieder, 70% für Nichtmitglieder). Die KollegInnen in Süd und Ost bekommen alle 75% von Brutto (13,5/12 ).
Die IGM und der BR in München haben sehr schnell verhandelt in der Hoffnung dadurch ein besseres Ergebnis zu bekommen. Es zeigt sich jetzt, dass sie sich bei ihrem Entgegenkommen über den Tisch haben ziehen lassen. Zusätzlich haben sie mit ihren (voreiligem) Abschluss den Verhandlungsspielraum der restlichen Betriebsräte deutlich eingeschränkt.
Die Verhandlungen in München wurden von der IGM geführt, zwar in Personalunion mit dem BR aber der BR selbst hat auf einen eigenen Sozialplan verzichtet! Die Betriebsräte in Ost und Süd haben die Verhandlungen selber geführt und nicht die IGM. Dadurch gibt es keine Unterschiede zwischen den IGM-Mitgliedern und Nichtmitgliedern. Den Verrat an den mitkämpfenden Nichtmitgliedern wie in München gibt es in Süd und Ost nicht!
Vergleich der Abfindungsregelungen
Die Formeln und die Matrixfaktoren gibt es im Intranet (Unterlagen nur im Intranet).
Mch M Süd Ost Bemerkungen
12xBMG (+10.000€) DJxBMGx0,8 BMG(13,5/12)xDJxMx0,7 Für Mch ab 7 Betriebsjahre;
in Klammern IGM-Bonus.
Für spätentschlossene in Süd verringert sich der Faktor 0,8 auf 0,6
12xBMG (+10.000€) 8xBMG 5,1xBMG Abfindung mit 10 DJ, M=0,65*
12xBMG (+10.000€) 12xBMG 8,86xBMG Abfindung mit 15 DJ, M=0,75*
12xBMG (+10.000€) 16xBMG 11,8xBMG Abfindung mit 20 DJ, M=0,75*
BMG: Bruttomonatsgehalt
DJ: Dienstjahre
M: Matrixwert
*) Bei der Berechnung des Matrixfaktors in Ost habe ich angenommen, dass die meisten Mitarbeiter nach der Wende (oder später) als junge Menschen bei Siemens angeheuert haben
Jeder kann den Vergleich selber machen, in Abhängigkeit von seinem Alter und der Betriebszugehörigkeit. Es kann dabei gravierende Unterschiede zwischen den Regionen geben. Über die Staffelung der Abfindungen nach Alter und Dienstjahren kann diskutiert werden. Fakt ist, dass bei Siemens und NSN schon immer so verfahren wurde. Eine Staffelung nach Dienstjahren ist sogar gesetzlich notwendig. Und eine Staffelung nach Alter ist in meinen Augen sozial gerechtfertigt.
Aus der Sicht des Arbeitgebers, war vermutlich nur die Gesamtsumme der Abfindungen (und in der beE) relevant. Bildet man also eine Durchschnitt-Abfindung pro Kopf , könnte es ein Kriterium sein, um zu beurteilen, ob der BR gut verhandelt hat. Das Problem liegt darin, dass nur die Firma (und der BR) die so definierte durchschnittliche Abfindung wird berechnen können – wir können sie nur schätzen.
Die Abfindung in Süd und Ost gibt es auch, wenn jemand betriebbedingt gekündigt werden sollte. Die individuelle Kündigungsfrist (bis zu 7 Monaten) bleibt bestehen. In München war in diesen Fall eine Abfindung ausgeschlossen.
Fazit
Die Betriebsräte in Süd und Ost haben deutlich länger und hartnäckiger verhandelt als die IGM und der BR in München. Das Ergebnis (im Durchschnitt) ist finanziell vermutlich nicht besser geworden. Dafür wurden die Namenslisten abgemildert und alle Mitarbeiter (egal ob IGM-Mitglieder oder Nichtmitglieder) wurden gleich behandelt. In den Abfindungsregelungen in Ost und Süd wurden soziale Kriterien besser berücksichtigt. Auch die Informationspolitik des Regionenausschusses war deutlich besser als in München. Damit haben die Betriebsräte in Süd und Ost die politischen und moralischen Prüfung insgesamt besser bestanden als die Verhandlungsführer in München. Weitere Beurteilungen gibt es im Forum
(INTR)
Freitag, 3.8.2012
Uli Weiss ist tot
Wie wir gerade erfahren haben, ist am Mittwoch unser lieber NSN-Kollege Uli Weiss allzu früh verstorben.
Manche mögen ihn als IT-Kollegen, viele aber auch als engagierten NCI’ler und Betriebsrat kennen.
Wer sich von Uli verabschieden möchte:
Die Beisetzung findet am Montag, den 06. August 13 Uhr auf dem Waldfriedhof in München (alter Teil) statt. trauer.sueddeutsche.de
(bt)
Freitag, 3.8.2012
NSN-beE: Erfahrungen aus der Jobsuche nach dem ersten Vierteljahr
Klar, jeder Jobsuchende hat wieder andere persönliche Erfahrungen; trotzdem schreibe ich mal meine eigenen bisherigen Erfahrungen nieder, vielleicht hat ja der eine oder andere Kollege ein déjà-vu?
Kurz zum Hintergrund: Ich bin 55 Jahre jung, seit 30 Jahren bei Siemens/NSN, u.a. erfahrener Projektmanager und Projektleiter, und suche aus der NSN-beE heraus branchenübergreifend einen neuen Job.
Nun ist das erste Vierteljahr der neuen Münchner NSN-beE rum, das ist gerade mal ein Achtel der Wegstrecke dieser zweijährigen beE, also noch kein Grund zur Torschlusspanik, auch wenn ich nicht zu den glücklichen 6% (80 von 1300) gehöre, die schon erfolgreich waren - zugleich habe ich aber auch meine hundertste Bewerbung rausgejagt, und das ist zumindest ein Anlass, mal zu resummieren, was ich dabei so erfahren habe....
(By the way: 6% in 3 Monaten, wenn man das auf 2 Jahre hochrechnet, dann deutet sich an, dass in dieser beE insgesamt weniger als die Hälfte einen Job findet, wenn sich hier nicht bald deutlich mehr bewegt!)
(bt)
Mittwoch, 1.8.2012
NSN-Restrukturierung: Einigung in Regionen Ost und Süd
Nachdem es schon am 21.5.2012 ein ausgehandeltes, juristisch ausformuliertes und unterschriftsreifes Ergebnis incl. Budgetfreigabe gab, tarockte die Firma immer wieder nach. Und trotz weiterer Zugeständnisse des Regionenausschusses brach sie die Verhandlungen am 20.6.2012 endgültig ab (s. Freitag, 22.6.2012, NSN-Restrukturierung: Arbeitgeber bricht „Regionen“-Verhandlungen ab und Freitag, 29.6.2012, Das unwürdige Verhalten von NSN). Es folgten Einzelverhandlungen mit den regionalen Betriebsräten und weitere Demonstrationen und Aktionen der Mitarbeiter (s. Woche der Unruhe in Ost). Am 26.7.2012 wurden dann in den Regionen Ost und Süd die Restrukturierungsverträge unterschrieben. NSN und die lokalen Betriebsräte einigten sich auf die folgenden Abbauzahlen:
Weitere Details wurden in dem lokalen Interessensausgleich und Sozialplan festgelegt (Unterlagen nur im Intranet). Für die Regionen Nord, Südwest, West und den Betrieb Berlin-Siemensdamm dauern die Verhandlungen an.
Die Ergebnisse für Ost und Süd sind sehr ähnlich, aber nicht identisch, hier nur die wichtigsten Fakten.
Die Standorte Leipzig und Augsburg bleiben erhalten (ohne neue GmbHs wie in München) und bekommen eine wie in München weichgespülte Standortgarantie bis mindestens bis 28.2.2014 (Ausgliederungen und (Teil-)Verkäufe sind nicht ausgeschlossen). Die abzubauenden Mitarbeiter können zum 1.9.2012 in eine 18-monatige beE (Laufzeit ebenfalls bis 28.2.2014) wechseln. Sie bekommen dort 75% von 13,5/12x Bruttogehalt (es gibt kein IGM-Privileg). Zusätzlich wird eine Abfindung gezahlt, mit einem je nach Region unterschiedlichen Matrixfaktor. Eine Abfindung steht auch den Mitarbeitern zu, welche betriebsbedingt gekündigt werden sollten (s. unten). Auch Altersteilzeit wird angeboten.
Es werden Namenslisten für die abzubauenden Mitarbeiter erstellt. Davor gibt es eine Freiwilligenphase (in Süd bis 13.8.12 in Ost nur bis 3.8.12 ?). Für jeden Freiwilligen, welchen die Firma akzeptiert, wird ein (Unfreiwilliger) von der Namensliste heruntergenommen. Nach dieser Freiwilligenphase haben die Betriebsräte Zeit (bis Ende August?), die korrekte Sozialauswahl in den Namenslisten zu überprüfen. Die Hoffnung sowohl der Betriebsräte als auch der Betriebsleitung ist, dass nach der Freiwilligenphase keine betriebsbedingten Kündigungen mehr nötig werden.
(INTR)
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