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NCI Aktuell Archiv Juni 2011
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Mittwoch, 29.6.2011   Update 30.6.2011
Der lange Weg zum „Recht“
Gestern hat eine Frau erfolgreich vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (LAG BB) gegen ihre Diskriminierung durch ihren Arbeitgeber gewonnen. Im Amtsdeutsch heißt dies: der Klage auf Entschädigung wegen geschlechtsspezifischer Benachteiligung bei einer Beförderungsentscheidung wurde (endlich) stattgegeben (AZ: 3 Sa 917/11).
Begonnen hat die Auseinandersetzung der Abteilungsleiterin bei Sony Music Entertainment (korrigiert, siehe Anmerkung unten) im September 2005 als die Stelle des Vorgesetzten frei wurde und mit einem Mann besetzt wurde und nicht mit ihr, der damals schwangeren Klägerin. Die Klägerin behauptet, sie habe die Stelle wegen ihrer Schwangerschaft nicht erhalten, der Arbeitgeber sieht für die Entscheidung der Stellenbesetzung sachliche Gründe.
In dem jahrelangen und bundesweit beachteten Streit hatte das LAG BB zuvor die Klage der Frau bereits zwei Mal abgewiesen. Beide Urteile hatte aber das Bundesarbeitsgericht (BAG) kassiert, zuletzt am 27.01.2011 (AZ: 8 AZR 483/09). Danach wurde ein anderer Senat des LAG BB mit der Sache beauftragt, der letztendlich (nach über 5 Jahren mit Klagen, Berufung und Revision) zu dem positiven Urteil für die Frau kam, d.h. der Arbeitgeber wurde zur Zahlung einer Entschädigung wegen einer geschlechtspezifischen Benachteiligung verurteilt.
In der Begründung wird allerdings klar, wieso dieser Fall von Diskriminierung zumindest rechtlich geahndet wurde. Der Arbeitgeber machte den Fehler, bei der Ablehnung der Bewerbung eine folgenreiche Äußerung zu tun: „sie solle sich doch auf ihr Kind freuen". Zusätzlich wurden der Klägerin auf Anfrage keine konkreten Gründe für die Beförderung des Kollegen genannt und ihrer Bewerbung wurden zunächst Chancen eingeräumt. Die Vermutung, dass die Arbeitnehmerin wegen ihrer Schwangerschaft nicht befördert worden ist, konnte der Arbeitgeber nicht widerlegen – und das reicht!
Eine Revision zum BAG ließ das LAG BB nicht (mehr) zu.
www.spiegel.de
Spiegel hat zu dem zitierten Artikel eine Anmerkung gemacht:
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es auf Basis einer Agenturmeldung, ein Gericht habe Sony wegen Diskriminierung verurteilt. Das ist nicht korrekt: Verurteilt wurde Sony Music Entertainment. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.
(sh)
Dienstag, 28.6.2011
„Hitzefrei“ bei 35°?
Es gibt „kein[en] Anspruch auf ‚Hitzefrei’“ stellt auch das Webportal von Handelsblatt und Wirtschaftswoche fest. Jedenfalls nicht im Büro und das war auch in 2010 schon so, siehe unser Artikel „Zu heiß?“ vom 7.7.2010.
In Deutschland wird dies geregelt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die dies in sog. Arbeitsstättenregeln formuliert. Wegen Hitze sollte man keinesfalls die Arbeit verweigern oder einfach nach Hause gehen; dies könnte den Job kosten. Zur Abhilfe bzw. Linderung der Hitze bleiben (leider nur) die gängigen Tipps und Empfehlungen.
(sh)
Montag, 27.6.2011
Nokia Siemens Networks auf guenstiger.de
Es klingt makaber und stimmt auch, aber nicht so wie der Leser wohl denkt. NSN wird nicht auf der Website guenstiger.de verramscht. Allerdings wird dort als aktuelle news von der Onlineausgabe des Wall Street Journals zitiert, dass für NSN wohl kein Käufer mehr gefunden wird. Damit planen Siemens und Nokia nun eigene Investitionen und natürlich Umstrukturierungen. Und weiter heißt es „Dabei kommen die Verantwortlichen möglicherweise um weitere Stellenstreichungen nicht herum.“
Das Manager-Magazin nennt zum gleichen Thema „Niemand will Nokias Netzwerktochter“ ein interessantes Detail für eine künftige Lösung, dass Siemens die Kontrolle bei NSN übernehmen könne. Nokia hat wohl zu viel mit sich selbst zu tun.
(sh)
Sonntag, 26.6.2011
Fußball ist (auch) Frauensache
Heute beginnt in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Dieser Wettbewerb hat eine im Vergleich zum Männerwettbewerb nur sehr kurze Geschichte, es gibt ihn erst seit 1991. Bis 1970 gab es in Deutschland sogar ein vom DFB 1955 verhängtes Frauenfußballverbot, d.h. in Vereinen, die dem DFB angehörten, durften Frauen nicht Fußball spielen. (Damalige Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ )
Man kann nicht behaupten, dass Frauenfußball sich bei uns wirklich schon etabliert hat. In den Medien ist praktisch nur die (allerdings recht erfolgreiche) Nationalmann(?)schaft präsent. Seit 1990 gibt es zwar eine Bundesliga, aber die Zuschauerzahlen liegen dort durchschnittlich bei nur 1000 pro Spiel (Männer: 40.000).
Nicht ganz so weit wie bei uns sind die Fußballerinnen in vielen islamischen Ländern: In Saudi-Arabien ist Frauen das Fußballspielen verboten, im Irak müssen sie auf dem Spielfeld ein Kopftuch tragen.
Im Iran kam es im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2011 zur Verhaftung der iranischen Sport- und Fotojournalistin Maryam Majd, die nach Deutschland reisen und von den Spielen berichten wollte. (www.zeit.de, www.spiegel.de, www.iranhumanrights.org)
Die genauen Gründe für die Verhaftung sind derzeit zwar noch unklar, aber es ist bekannt, dass sich Maryam Majd im Rahmen ihrer Sportberichterstattung auch für die Rechte der Frauen im Iran einsetzt.
(rk)
Samstag, 25.6.2011
BKA sucht Telefon-Abhörer
Bekanntlich herrscht in Deutschland ein großer Fachkräftemangel. Dies bekommt nun auch das BKA zu spüren. Weil so viele Telefone abgehört werden müssen, gehen dem Amt nun die Abhörer aus. Nun wird per offizieller Stellenanzeige für den Abhörjob geworben. Voraussetzung: abgeschlossenes Fachhochschulstudium als Diplom-Ingenieur.
Offizielle Stellenanzeige des Bundeskriminalamtes bei Stepstone
(ek)
Freitag, 24.6.2011
Grimme Online Award 2011
„Mit dem Grimme Online Award werden seit dem Jahr 2001 vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet.“ so die Erklärung über den Preis auf der Website des Grimme-Instituts. Unter anderen wird auch ein Grimme Online Award Spezial vergeben für innovative und qualitativ hochwertige Projekte für publizistisch relevante Web-Angebote.
Bei der Bewertung der Projekte „spielen journalistische Qualitätsmaßstäbe und gesellschaftliche Verantwortung eine große Rolle“. Der Grimme Online Award ist (auch politisch) unabhängig. Die Grundsätze und die Zusammensetzung der Nominierungskommissionen sind transparent und auf der Website des Instituts nachzulesen. Aus dieser Sicht ist es also ein riesiger Erfolg für die freiwilligen Mitarbeiter des GuttenPlag Wiki, die für die Idee, Initiative und Autorenschaft den Preis in der Kategorie Spezial erhielten (und nicht für den Rücktritt des Nicht-mehr-Dr. von Guttenberg). Die Jury hob die "faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis" hervor.
Die zweite Auszeichnung in derselben Kategorie Spezial ging an ein Projekt von Zeit Online: „Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten“. Das Projekt hat anhand der über einen Zeitraum von 6 Monaten aufgezeichneten Handy-Daten eines Grünenpolitikers gezeigt, wie weit sein Leben enthüllt werden kann. Das Ergebnis wurde als interaktives Web-Angebot aufbereitet, „welches eindrücklich veranschaulicht, was Vorratsdatenspeicherung für jeden Einzelnen bedeutet.“ soweit die Begründung der Jury.
(sh)
Mittwoch, 22.6.2011
Ein Berufsverbot für ältere deutsche Ingenieure
... hat, wenn auch nur indirekt, unsere weitsichtige Arbeitsministerin erlassen. Indem sie nun tatsächlich, wie zuvor schon vom Arbeitgeberlager gefordert, die bisher vorgeschriebene Vorrangprüfung teilweise ausgesetzt hat: Ab sofort dürfen Firmen ausländische Ärzte und Ingenieure einstellen, ohne sich zuvor um einen deutschen Bewerber bemühen zu müssen; Arbeitsagenturen müssen nicht mehr testen, ob für eine freie Stelle ein Ingenieur aus Deutschland oder der EU zur Verfügung stünde, ehe ein Ingenieur aus Niedriglohn-Ausland dafür eine Arbeitserlaubnis erhält.
Weil es doch so wenige Elektroingenieure etc. hierzulande gäbe - was freilich nur stimmt, wenn man sowohl weibliche als auch ältere Ingenieure großzügig übersieht. Oder ist der tiefere Sinn in Wahrheit zu verhindern, dass der arme Unternehmer womöglich noch teure deutsche Oldies einstellen muss? Das ist eben das Problem mit der Weitsichtigkeit: Man sieht auf die Nähe so schlecht, daher sieht Fr. von der Leyen wohl auch nicht die arbeitslosen älteren Ingenieure im eigenen Land und sucht die Lösung lieber in der Ferne.
Damit ist ein Anfang gemacht - weitere Berufsgruppen dürften folgen.
Ein Gutes hat die Sache wenigstens: Spätestens jetzt dürfte damit klar sein, wer fürderhin nicht mehr wählbar ist - wobei es eigentlich egal ist, ob wegen Interessenverrats an den deutschen Arbeitnehmern (und Wählern...) oder "nur" wegen Inkompetenz.
www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de
(bt)
Mittwoch, 22.6.2011
Ingenieur-Job in München mit 59 Jahren kein Problem?
In einem Spiegel-Bericht wird der Personalchef Bräuning des Unternehmens Kayser-Threde zum Thema ältere Fachkräfte so zitiert: „Manche seien erst mit 59 Jahren in den Betrieb gekommen... Früher wollte man die aus den Betrieben raushaben, heute ist das kein Thema mehr."
„Kayser-Threde ist ein mittelständisch geprägtes Raumfahrtunternehmen und Systemführer für Satelliten, komplexe wissenschaftliche Instrumente und Raumfahrtmissionen.“ so die eigene Einführung bei einigen Job-Beschreibungen auf der Homepage von Kayser-Threde. Also nichts wie hin – die Adresse Perchtinger Strasse sollte jedem Ex-Hofmannsträßler noch bekannt sein – oder bewerben mit dem Verweis auf die Aussage des Personalchefs.
Der Spiegel-Artikel beschäftigt sich vornehmlich mit dem Thema „Vorrangprüfung“, die besagt, dass für jede Arbeitskraft aus dem Ausland, die ein Unternehmen anstellen will, muss man nachweisen, dass keinem Bewerber aus Deutschland oder einem anderen EU-Land der Arbeitsplatz weggenommen wird.
Noch am heutigen Mittwoch will die Bundesregierung ein Konzept gegen den Fachkräftemangel beschließen, bei dem vermutlich diese Vorrangregel gestrichen wird. Der Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) will die komplette Abschaffung, Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) will dies zumindest für Mediziner und Ingenieure.
(sh)
Dienstag, 21.6.2011
Mit NSN-Technik von Wien nach Salzburg surfen
... können künftig Westbahn-Passagiere; freilich nicht auf einem Surfbrett sondern im Internet auf der Bahnfahrt, dafür aber kostenlos, wie die Presse meldet.
(bt)
Dienstag, 21.6.2011
Ein interessantes BAG-Urteil zu Betriebsübergängen
Das Bundesarbeitsgericht hat letztinstanzlich entschieden, dass auch bei einer Betriebsverlagerung ins Ausland ggf. deutsches Recht, insbes. §613a BGB für Betriebsübergänge zu beachten ist. (www.ftd.de)
Der konkrete Fall: Ein Unternehmen hatte trickreich einen deutschen Betriebsteil auf eine Schwestergesellschaft in der Schweiz übertragen, d.h. dort neu aufgemacht und den deutschen Standort geschlossen, das darin enthaltene lebende Inventar gekündigt, ihnen dann aber tlw. für den neuen Standort im nahen Ausland einen neuen Arbeitsvertrag angeboten.
Das BAG-Urteil besagt nun, dass so eine Verlagerung, auch wenn sie ins grenznahe Ausland geht, nach deutschem Recht zu behandeln ist („deutsches Recht zieht mit um“), d.h. hier lag ein Betriebsübergang vor und den Kollegen hätte nicht gekündigt und dann ein neuer Arbeitsvertrag angeboten werden dürfen, sondern sie wären einfach mit ihrem bisherigen Arbeitsvertrag weiterzubeschäftigen gewesen.
Im Detail lässt das BAG-Urteil noch so manche Frage offen, wie das genau funktionieren soll; aber klar ist:
Wenn genau der selbe Betrieb gerade mal ein paar Kilometer weiter im nahen Nachbarland wieder aufgemacht, also quasi wie er ist rüber geschoben wird, setzt dies das BGB (das deutsche „bürgerliche Gesetzbuch“) nicht außer Kraft, es liegt ein Betriebsübergang vor, damit gilt §613a BGB, und §613a Absatz 4 sagt nunmal: Wegen eines Betriebsübergangs darf niemand gekündigt werden.
Die Kündigungen sind damit unwirksam – wie’s ihnen dann aber weiter ergeht in dieser Firma, ist freilich eine andere Frage.
(bt)
Dienstag, 21.6.2011
Skype: Gefeuert wegen hohem Kaufpreis
So kann’s gehen: Im Vorfeld des Skype-Verkaufs müssen zahlreiche Top-Manager ihren Hut nehmen. (www.ftd.de)
Warum? Weil Microsoft einen irre hohen Preis für Skype bezahlt, und die Höhe künftiger Topmanagement-Abfindungen (mit Aktienoptionen) davon in die Höhe getrieben worden wäre; und dies nach tlw. erst kurzer Skype-Firmenzugehörigkeit. Um es gar nicht erst dazu kommen zu lassen, trennt man sich lieber eben noch schnell vor dem Verkauf, und spart so manches Milliönchen – dumm gelaufen, merke: Auch wer seine Firma zu teuer verkauft riskiert seinen Job…
(bt)
Dienstag, 21.6.2011
Sparmodell der Deutschen Bank
Nach der Übernahme der Postbank muss man (die deutsche Bank) wieder sparen. Capital berichtet, wie die Pläne dazu aussehen, immerhin wurde das Maßnahmenpaket bereits dem Konzernbetriebsrat und den Gewerkschaften vorgelegt.
Gespart werden soll am Personal – wo sonst? – nach internen Berechnungen ist dies bis zu 30 Prozent pro Mitarbeiter möglich. Dazu sind folgende Maßnahmen erforderlich:
Für dieses Modell hat die Deutsche Bank Mitarbeiter aus dem Backoffice, der IT und der Kreditbearbeitung im Auge, konkrete Mitarbeiter-Zahlen gibt es dazu noch nicht.
Im Gegenzug gibt es für die betroffenen Mitarbeiter die Zusage, dass sie von betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2014 verschont bleiben. Zusätzlich soll eine Ausgleichszahlung für fünf Jahre gezahlt werden. Damit will die Deutsche Bank die Gewerkschaften locken, wie immer nach dem Prinzip: zunächst verändert sich kaum etwas (beim Finanziellen) und es gibt sogar die Garantie der Nicht-Kündigung. Das böse (nicht gute) Ende droht dann 2015 und finanziell mit Sicherheit 2016.
Kein gutes Modell, das Schule machen sollte.
(sh)
Dienstag, 21.6.2011
NSN: Offshoring und Stellenabbau
Die Kollegen, die in der NSN-Fertigung in Bruchsal gekündigt werden, wird's wenig begeistern:
NSN beschleunigt die Aufnahme der Fertigung von LTE-Funkbasisstationen in der russischen Stadt Tomsk.
Des einen Freud, des anderen Leid - der Preis des Offshoring. www.70rus.org oder mit Google-Übersetzer
(cnn)
Montag, 20.6.2011
NSN goes shopping
Der Motorola-Einkauf war nicht der letzte: Laut IT-Times leistet sich NSN nun auch noch eine Beteiligung (zu uns noch unbekanntem Preis) an ClariPhy; dieser amerikanische Halbleiterentwickler ist auf die Entwicklung von integrierten Schaltkreisen für digitale Signalverarbeitungsprozessoren spezialisiert.
Die ClariPhy-Prozessoren verbessern die Netzkapazität und Netzeffizienz bei großen Datenmengen; schnelle Datenübertragung digitaler Signale für leistungsstarke optische Netze ist wichtig für die Beherrschung des rasend schnell wachsenden Datenverkehrs über mobile Netze.
(bt)
Montag, 20.6.2011
NSN: Zukunft von Mch M - Eine Zwischenbilanz
Im Oktober 2009 habe ich die Frage nach der Zukunft von unserem Betrieb Mch M gestellt ( Donnerstag, 15.10.2009, NSN: Hat Mch M noch eine Zukunft?). Nach fast zwei Jahren will ich eine Zwischenbilanz ziehen. Um es vorweg zu nehmen: es herrscht der schleichende Niedergang.
Das äußere Zeichen davon ist schlicht die Entwicklung der Mitarbeiterzahl. Der Betrieb Mch M startete nach der Ausgliederung von Siemens mit 2.855 Mitarbeitern (Juli 2007). Im Laufe der Jahre zogen ca. 470 Mitarbeiter nach Ulm um, dafür kamen ca. 1.200 aus Mch P hinzu. Danach kamen noch ca. 400 aus Mch H und zum Schluss noch ca. 300 aus Mch T. Ohne Abgänge hätten wir jetzt also ca. 4.300 Mitarbeiter. Tatsächlich sind aber nur noch ca. 3.700 da. Allein im letzten Jahr hat uns im Schnitt täglich einer verlassen (kleinere Ausgliederungen nicht mitgerechnet!) ohne, dass ein Arbeitsplatz neu geschaffen wurde. Der „Standortkannibalismus“ ist mangels Masse zu Ende und wird diesen Trend nicht weiter verschleiern können.
Sehr bedenklich ist auch das durchschnittliche Alter am Standort von ca. 47 Jahren. Alleine durch das hohe Durchschnittsalter dürfte sich der oben gezeigte Abwärtstrend eher noch beschleunigen. Von Restrukturierungen und Ausgliederungen gar nicht erst zu reden! Einerseits fehlt es also am Nachwuchs, welcher die Abgangsrate ausgleichen und neues Know How einbringen könnte. Andererseits haben die Älteren keine Chance, ihr Know How weiterzugeben. Der Standort droht zum Altersheim zu werden, der im eigenen Saft schmort.
Am dramatischstem ist aber in meinen Augen die Demotivation der Mitarbeiter. Jeder zweiter bekundet die Bereitschaft zu gehen! Haben sie den Standort schon aufgegeben? Und wie sollen die restlichen 50% überleben? Fragen, auf die es weder von der Betriebsleitung noch vom Betriebsrat eine Antwort gibt, obwohl diese dramatischen Zahlen seit langem bekannt sind.
Unsere Anregung an die beiden Parteien auf der letzten Betriebsversammlung zur Zukunft von Mch M Stellung zu nehmen ( Montag, 6.6.2011, Proaktive Betriebsräte), wurde in erstaunlicher Eintracht ignoriert. Warum? Ist etwa am Schicksal von Mch M nichts mehr zu ändern?
Dieser schleichende Niedergang ist auch eine Niederlage für den Betriebsrat, insbesondere für die herrschende IGM-Fraktion und ihre Satelliten. Es ist beileibe nicht so, dass alle NSN Standorte vom Niedergang betroffen wären. Einige entwickeln sich prächtig, wie z.B. Indien und China was die Anzahl der Arbeitsplätze angeht. Über den Qualitätsunterschied der Arbeitsergebnisse dort und in Mch M ließe sich prächtig streiten. Aber statt zu agieren wie z.B. von NSI 2.0 vorgeschlagen (siehe Artikel „Agieren statt Reagieren“) ist der Betriebsrat untätig geblieben und hat keine Zukunftskonzepte entwickelt. Dabei hat er bei der vorgezogenen Betriebsratswahl 2009 genau dieses versprochen!
(BRM)
Montag, 20.6.2011
Kleine Huawei-Brötchen in Düsseldorf
Huawei plant ein neues Entwicklungszentrum in Düsseldorf zur Entwicklung von Software-Anpassungen für deutsche Kunden (Netzbetreiber). (www.property-magazine.de)
Vorsicht aber vor verfrühtem Jubel ob der dadurch entstehenden Arbeitsplätze: Huawei backt auch nur ausgesprochen kleine Brötchen (oder vielmehr Plätzchen, Arbeitsplätzchen nämlich), es geht hier gerade mal um 30 Jobs, von denen auch nur 20 auf dem deutschen Arbeitsmarkt rekrutiert werden sollen.
Also kein Vergleich zu der Zahl von deutschen Jobs, die gleichzeitig in den Huawei-Konkurrenzfirmen auf dem Spiel stehen, wenn Huawei hierzulande gar zu erfolgreich werden würde: Wer deutsche Jobs sichern will, sollte diese vor der chinesischen Niedriglohnkonkurrenz schützen, anstatt deren Zuzug wegen lokaler Interessen auch noch zu subventionieren.
Auch die Beschäftigungsbedingungen bei Huawei sollte man sich genau anschauen, wie eine aktuelle Info aus Schweden belegt: nsn-dialog.de
(bt)
Samstag, 18.6.2011
Die gestärkte Macht der Verbraucher
Während anfangs die Verbraucherschützer weitgehend von den Firmen ignoriert wurden, wird inzwischen die Aufklärungsarbeit dieser Organisationen im Internet ernster genommen. Dies zeigt sich deutlich im Vorfeld der Vergabe des Negativpreises „Goldener Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge, die nunmehr zum dritten Mal von der Verbraucherorganisation foodwatch vergeben wurde. Firmen, deren Produkte nominiert werden und zur Wahl stehen, wehren sich heftig mit zusätzlicher Werbung, Gegendarstellungen, Beschwerden und Klagedrohungen – oder auch in einigen Fällen (einsichtig?) mit Produktänderungen.
„Sieger“ des Negativpreises in 2011 wurde die „Milchschnitte“ von Ferrero (www.spiegel.de). Immerhin haben über 117 Tausend Verbraucher bei der online Abstimmung mitgemacht , denn nur die Verbraucher haben die eigentliche Macht durch Kaufverzicht. Es kommt also schon auf das Verhalten der Verbraucher an und nicht nur auf die Kür zum „Goldenen Windbeutel“.
Offensichtlich reagieren die Verbraucher auf die Aufklärung von foodwatch mit der Internetplattform www.abgespeist.de, die den Verbraucherprotest koordiniert und zusätzlich eine Möglichkeit zum Kommunikationsaustausch und zu Abstimmungen bietet. Es sind solche Internet-Portale mit dem schnellen und einfachen Zugang, die die neue gestärkte Macht der Verbraucher darstellen und daher von den Firmen gefürchtet sind.
Zu guter Letzt kommt demnächst verstärkt Gegenwind für die Firmen: mit Unterstützung der Politik (bei CSU-Ministerin Ilse Aigner heißt dies wohl Duldung) starten die Verbraucherzentralen demnächst (im Juli) ein weiteres Portal "Klarheit und Wahrheit". Hier sollen ebenfalls über Schwindel und Werbelügen berichtet werden, auch wenn die Firmen nicht gegen das Gesetz verstoßen, sondern im Graubereich tricksen. (www.spiegel.de)
(sh)
Freitag, 17.6.2011
Gelebte Demokratie – demnächst kein gültiges Wahlrecht mehr
Unsere Regierung erlaubt sich, die Anordnung des Bundesverfassungsgerichts zu missachten. Unglaublich, unerhört wird der Leser sogleich denken. Darf die Regierung so etwas überhaupt? Sie darf – meistens sogar „ungestraft“ wie z.B bei der Neufassung der Hartz-IV-Gesetze, wo ebenfalls die Frist nicht eingehalten wurde.
Ab 1. Juli dieses Jahres gibt es in Deutschland kein gültiges Wahlrecht mehr, die Regierung hat eine dreijährige Übergangsfrist des Bundesverfassungsgerichts verstreichen lassen. Das bisherige Wahlrecht wurde von höchster Instanz als „widersinnig“, „willkürlich“ und daher „verfassungswidrig“ erklärt.
Die Motivation für das Nichtstun der Regierung in dieser Sache macht die Schande der betroffenen Parlamentarier nicht besser: die Regierung verspricht sich vom bisherigen Wahlverfahren Vorteile bei einer Neuwahl. Dieses Verhalten geht in Richtung italienisches Demokratie-Verständnis der Mächtigen! Dieses Versagen der Regierung führt u.a. dazu, dass immer mehr Bürger das Vertrauen in die Parlamentarier und die Politik verlieren. Und von neuem Vertrauen der Bürger reden die Politiker viel, handeln aber oft nicht danach.
Offensichtlich vergisst die Regierung, dass bei einer Neuwahl mit bisherigem Wahlgesetz, eine Verfassungsbeschwerde eines Wählers ausreicht, der die Richter in Karlsruhe veranlassen würde, ein neues Wahlrecht selbst zu formulieren und per Vollstreckungsanordnung die Regierung zu einer Wahl mit diesem neuen Wahlrecht zwingen würde. Das wäre die maximale Peinlichkeit einer parlamentarischen Demokratie, die Glaubwürdigkeit dieser Politiker würde ins Bodenlose sinken, falls dies überhaupt noch möglich ist. Das Ansehen der deutschen Demokratie im Ausland und deren Auswirkungen wären verheerend. Das alles riskiert die Bundesregierung mutwillig?
www.sueddeutsche.de
(sh)
Mittwoch, 15.6.2011
CoWorking als Patentlösung für NSN?
Seit Jahren doktert Siemens/NSN an einem Arbeitsplatzmodell herum und kommt nicht richtig voran. Vordergründig dürften bei den Modell(versuch)en wie „Space“ in der Bo133 vor einigen Jahren und „flexible office“ jetzt in Mch-M die finanziellen Einsparkosten für die Firma stehen. Die grundlegende Idee ist, dass nicht alle Mitarbeiter an jedem Tag gleichzeitig einen (teuren) Arbeitsplatz benötigen – bedingt durch Urlaub, Krankheit, Dienstreisen etc. Das ist noch nachvollziehbar.
Was bisher nicht durchsetzbar war, ist ein völlig freies Buchungssystem für alle Arbeitsplätze, d.h. der Mitarbeiter muss sich um seinen Arbeitsplatz kümmern und den aus den frei verfügbaren täglich/wöchentlich auswählen. Bei Abwesenheit von ganzen Tagen wird der Arbeitsplatz sofort freigegeben.
Aus Amerika ist bereits eine neue Form des Arbeitsplatzmodells zu uns herübergeschwappt: das CoWorking (siehe Artikel in der SZ). Bisher allerdings für Selbständige gedacht, die zuhause oder in ihrem Büro ansonsten einsam sitzen und keinen kreativen Gedanken fassen können oder auch auf Reisen in anderen Orten sehr nützlich. CoWorking wird auch in München angeboten und ermöglicht die Buchung eines kompletten Arbeitplatzes mit kompletter Infrastruktur stundenweise, für Halb- oder ganze Tage, für Wochen und Monate. Auch für Meetings stehen CoWorking-Areas zur Verfügung.
Sollte also „flexible office“ scheitern (unabhängig von der Akzeptanz der Mitarbeiter), d.h. z.B. nicht die erhoffte Ersparnis bringen, wäre CoWorking vielleicht der nächste Schritt der Firma, das leidige Problem des Arbeitsplatzes zu lösen. Die Kosten könnten natürlich auf die Mitarbeiter übertragen werden, wenn diese schon kein Home-Office benutzen wollen bzw. können. Das Parkgaragen-Thema wäre damit gleichzeitig auch behoben.
Falls einer der Leser dies als Verbesserungsschlag bei NSN einreicht und eine Prämie erzielt, bitte ich um angemessene Beteiligung: das Einsparpotential bzgl. der Bürogebäude incl. Parkplätze dürfte gigantisch sein.
(sh)
Dienstag, 14.6.2011
Apple zahlt Nokia Lizenzgebühren für iPhone-Technologie
Im Patentstreit zwischen Nokia und Apple (Nokia verklagte Apple 2009 auf Patentrechtsverletzung für eine im iPhone benutzte Technologie) hat Apple überraschend nachgegeben, eine Lizenzvereinbarung mit Nokia abgeschlossen und wird Patentgebühren zahlen. (www.stern.de)
Nokia kann die Kohle sicher gut brauchen, zumal der Nokia-Aktienkurs (nicht zuletzt wegen der Apple/iPhone-Konkurrenz) kräftig nachgegeben hat.
(bt)
Freitag, 10.6.2011
Einer von 2 NSN-Interessenten abgesprungen?
Laut Reuters haben sich KKR und TPG gegen ein Gebot für Nokia Siemens Networks entschieden, da man sich nicht auf einen Preis einigen konnte - wie wir schon immer gesagt haben: Letztlich wird sich diese Frage im Geldbeutel entscheiden. Damit sind jetzt also allenfalls noch die Gores-Brüder im Rennen (und falls das auch nicht klappen sollte, dann wohl nächstes Jahr ein Börsengang).
(bt)
Freitag, 10.6.2011
Erneuter Korruptionsfall bei Siemens
Ein wenig peinlich ist das schon: Laut FTD hat die Münchner Staatsanwaltschaft wegen Bestechungsvorwürfen in Kuwait mindestens zwei Siemens-Manager festgenommen; die Staatsanwaltschaft bestätigte "es gibt ein neues Ermittlungsverfahren bei Siemens, dabei gab es Haftbefehle und Verhaftungen“, räumt zugleich aber auch ein, dass dieses Verfahren nur dadurch in Gang gekommen sei, dass (ganz vorbildlich) die Siemens-Complianceabteilung selbst sich in dieser Sache bei ihr gemeldet habe.
(bt)
Freitag, 10.6.2011
Kündigung – wieder mal ein Fall fürs Bundesarbeitsgericht
Zum Glück (oder Unglück) werden die meisten Kündigungsverfahren nicht erst beim Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschieden. Im vorliegenden Falle musste aber das BAG entscheiden, ob eine „Kündigung eines Arbeitsverhältnisses wirksam zugegangen ist, wenn das Kündigungsschreiben an den Ehegatten des Arbeitnehmers außerhalb der Wohnung übergeben wird.“
Geklagt hatte eine Frau aus dem Rheinland. Sie verließ nach einem Streit ihren Arbeitsplatz am 31. Januar 2008 – also am letzten Tag des Monats. Ihr Arbeitgeber reagierte prompt am selben Tag mit einer ordentlichen Kündigung mit der vertraglichen Frist von einem Monat (zum Monatsende) und sah daher das Arbeitsverhältnis Ende Februar als beendet an.
Die Schwierigkeit bei der Beurteilung, ob die Kündigung rechtmäßig sei, lag nun am Tag und an der Übergabe der Kündigung. Das Kündigungsschreiben wurde per Bote dem Ehemann der Klägerin an dessen Arbeitsplatz, einem Baumarkt, übergeben. Die Klägerin gab allerdings an, dass ihr Ehemann den Brief im Baumarkt liegen ließ und ihn erst am nächsten Tag nach Hause mitbrachte. Somit wäre die Kündigung erst am 1. Februar bei ihr eingegangen und die Kündigung dann erst zum 31. März wirksam.
Nun, das Arbeitsgericht gab der Klägerin Recht, das Landesarbeitsgericht Köln aber nicht, Somit durfte das BAG als letzte Instanz ein Urteil fällen; dies fiel zu Gunsten des Arbeitgebers aus (Aktenzeichen 6 AZR 687/09). Die Revision der Klägerin vor dem BAG hatte also keinen Erfolg. In der Urteilsbegründung heißt es: „Entscheidend sei, dass unter normalen Umständen nach der Rückkehr des Ehemanns in die gemeinsame Wohnung mit einer Weiterleitung des Kündigungsschreibens an die Klägerin noch am 31.01.2008 zu rechnen wäre.“ Und eine Kündigung ist dann zugegangen, wenn sie „in den Machtbereich des Arbeitnehmers gelangt ist“ – und der Ehepartner gehört demnach wohl zu diesem „Machtbereich“.
(www.spiegel.de)
(sh)
Freitag, 10.6.2011
Übernahmegerüchte jetzt auch für Nokia
heise online schreibt: „in den vergangenen Tagen kursierten an den Börsen Spekulationen, Samsung bereite ein Übernahmeangebot für Nokia vor.“
Nokia-Chef Stephen Elop dementierte zwar die Gerüchte, die wohl auch im Zuge der Beurlaubung des bisherigen Technology Officer Green aufkamen. Green kam erst Mitte Mai 2010 zu Nokia; seine unbestimmte Auszeit wird offiziell mit privaten Gründen angegeben, eine finnische Tageszeitung berichtet dagegen, dass es grundsätzliche Differenzen über die Strategie gegeben habe (Nokia ist in der Krise und mitten im großen Technik-Umbau), daher „sei es wenig wahrscheinlich, dass Green in seinen Job jemals zurückkehren werde“.
Dass eine etwaige tatsächliche Übernahme von Nokia auch auf NSN Auswirkungen hätte, kann sich jeder ausmalen.
(sh)
Donnerstag, 9.6.2011
Friedenspreis für das freie Wort
Was in Deutschland durch das Grundgesetz in Artikel 5 Abs. 1 gewährleistet ist, nämlich das Recht „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern...“, ist längst nicht in allen Ländern verwirklicht. In Algerien wurden die Bücher des Schriftstellers Boualem Sansal auf den Index gesetzt. Der Autor ist nicht nur leidenschaftlicher Erzähler, sondern übt auch offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen in seinem Lande.
Dafür erhält er den Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels, der jeweils auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober überreicht wird. In der Begründung des Stiftungsrates heißt es: „Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf“.
Mit der Preisverleihung wird bewusst ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika gesetzt, so die Mitteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
www.sueddeutsche.de
(sh)
Mittwoch, 8.6.2011
Nokia-Kreditwürdigkeit abgesenkt
Das dürfte den Finnen sauer aufstoßen: Wegen der Smartphone-Probleme im allgemeinen und der Betriebssystementscheidung im besonderen hat die Ratingagentur Fitch das Kreditwürdigkeits-Rating von Nokia um gleich 2 Stufen abgesenkt! (boersenradar.t-online.de)
Zitat: "Das heißt für Nokia: Frisches Geld wird schwieriger zu beschaffen sein" - es könnte aber auch den Anreiz erhöhen, sich durch einen NSN-Anteilsverkauf frisches Geld zu beschaffen.
(cnn)
Mittwoch, 8.6.2011
In Kürze Übernahmeangebote für Nokia Siemens Networks?
Laut WiWo stehen Übernahmeangebote für NSN-Mehrheitsanteile kurz bevor; genannt werden die gleichen US-Interessenten, die wir auch schon in unserem NCI-Artikel „NSN gibt seine Verkaufspläne noch nicht auf“ vom 17.5.2011 genannt hatten.
Zitat: „Insider erwarten, dass NSN nicht mehr allzu lange die Namen seiner prominenten europäischen Mütter tragen wird“.
Der NSN-Gesamtbetriebsrat hingegen würde, wie schon berichtet, einen Börsengang dem direkten Einstieg von Finanzinvestoren vorziehen - die Entscheidungen trifft aber wohl jemand anderes, entscheidend dürfte werden, ob man sich preislich einigen kann. Bleibt spannend.
(bt)
Dienstag, 7.6.2011
Präsentismus – Anwesenheit trotz Krankheit
Viele Arbeitnehmer gehen krank zur Arbeit, dies ergab eine Studie. Bei NSN ist es nicht anders. Wenn man so in die Büros reinschaut und auch die Kolleginnen und Kollegen nach ihrem Befinden frägt, da kommt schon öfters der Satz: „Eigentlich müsste ich ja zuhause sein …“
Man frägt sich dann „Warum krank in die Arbeit?“ Da gibt es in der heutigen Zeit einfache Erklärungen: z. B. Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, die Arbeit muss fertig werden, der Chef drängelt usw. - da gibt es viele Gründe.
Der Chef schickt die betroffenen Mitarbeiter selten nach Hause. Kranke Arbeitnehmer machen aber viel mehr Fehler, weil u. a. die Konzentration fehlt.
Wer sich krank zu Arbeit schleppt kostet dem Unternehmen fast doppelt so viel, als wie die reinen Fehlzeiten, wenn er sich zuhause auskuriert. Ein kranker Mitarbeiter im Büro kostet 2394 Euro pro Jahr.
Also liebe Leser, ihr bringt der Firma gar nichts, wenn ihr euch krank zur Arbeit schleppt und dann auch noch bei einer Grippe die anderen Kolleginnen und Kollegen ansteckt. Ihr schadet der Firma nur mit eurem Verhalten!
Quellen:
www.n-tv.de
de.finance.yahoo.com
(Buggy15)
Dienstag, 7.6.2011
Chinesen wollen hoch hinaus
Diese Schlagzeile an sich klingt noch nicht allzu spektakulär: Wer will das schließlich nicht, hoch hinaus?
Es steckt aber schon etwas mehr dahinter als nur vollmundige Absichtserklärungen: ZTE will im Rahmen eines Sechsjahresplans von Wien aus den europäischen Markt aufrollen, wobei zwar Wien als geographisch-taktischer Ausgangspunkt dient, ZTE in Wien aber massiv (dzt. gut zur Hälfte) billiges chinesisches Personal einsetzt, eingereist auf Basis befristeter Visa für Projekteinsätze.
So trägt der chinesische NSN-Konkurrent also wettbewerbsverzerrendes Lohndumping von China nach Europa, mit Österreich als neuem chinesischem Brückenkopf.
Aufwachen, Europa!
(bt)
Montag, 6.6.2011
Proaktive Betriebsräte
Nicht etwa das NCI, sondern der NSN-GBR-Vorsitzende hat's gesagt (nur im NSN-Intranet zugreifbar): "Betriebsräte müssen sich im Vorfeld mit Entwicklungen bei Strategie, Portfolio und Innovationen beschäftigen, statt wenn es zu spät ist mit dem Betriebsverfassungsgesetz unter dem Arm Interessenausgleiche und Sozialpläne zu verhandeln."
Davon, dass das nur für den GBR und nicht auch für lokale Betriebsräte gelten würde, war da nicht die Rede - und so erwarten wir dazu voll Spannung und Zuversicht den Tätigkeitsbericht des NSN-Betriebsrats Mch-M auf der Münchner Betriebsversammlung am 8. Juni:
Was kam raus bei der schon vor Monaten groß von der IGM angekündigten "Industrieinitiative für den Standort Deutschland" (und welche Initiativen haben dazu auch unsere Mitglieder im NSN-Aufsichtsrat dort eingebracht), und was kam noch konkreter raus zur Erarbeitung einer "Identity" von NSN München, zu dessen Standorterhalt: Was können wir besser als andere - oder genügt es uns, künftig nur noch zu einer von vielen kleinen NSN-Landesgesellschaften zu schrumpfen (was sich dann aber auch nicht gerade erfreulich auf die zukünftige Sicherheit unserer Arbeitsplätze in München auswirken dürfte)?
Dieselbe Frage darf man dann aber natürlich auch dem NSN-Management stellen; wie hieß es doch erst kürzlich in einer Business Unit Veranstaltung: "Build trust in NSN future through clear plans and honest communication" -> Das nehmen wir gerne beim Wort: Wie sehen denn nun die Zukunftspläne für unseren NSN-Standort Mch-M aus? Oder sind die so traurig, dass Führungskräfte und Betriebsrat dazu wieder ein NDA unterschreiben mussten, allen zitierten guten Vorsätzen zum Trotz?
(bt)
Sonntag, 5.6.2011
Ausgliederung von Teilen der Logistik von Nokia Siemens Networks zu CapGemini
Der Betriebsübergang der Logistik-MitarbeiterInnen von NSN zu CapGemini liegt nun schon eine Weile zurück; was ist bisher geschehen?
Zum 1.2.2011 erfolgte der Übergang nach §613a BGB. Nicht alle der Betroffenen haben diesen Übergang mitgemacht. In Deutschland gibt es die Möglichkeit, einem Übergang zu widersprechen. In den anderen Ländern, wo auch ein Betriebsübergang stattgefunden hat, gibt es diese Möglichkeit nicht. Daher mussten in diesen Ländern alle betroffenen Mitarbeiter mitgehen oder sich vorher was anderes suchen.
Die aktuelle Situation in MCH-M ist so, dass jetzt der Umzug der KollegInnen zu CapGemini erfolgt und zugleich die WidersprüchlerInnen auch umgezogen werden. Hintergrund des Umzuges der WidersprüchlerInnen ist, dass sie alle im 22er-Gebäude sitzen und - wie wir schon wissen - dieses Gebäude in ein "Flexible Office" umgebaut wird. Deshalb müssen die Widersprüchler und auch einige weiteren MitarbeiterInnen, die hier im 3. und 6. Flur sitzen, umziehen.
Die WidersprüchlerInnen haben ja bisher für CapGemini im Rahmen der AüG gearbeitet und einige werden das noch bis Ende September 2011 tun. Einige haben schon alle Ihre bisherigen Arbeiten übergeben und sind seit 1.6.2011 widerruflich freigestellt.
Jeder der WidersprüchlerInnen hat einen Brief bekommen, in dem steht, dass nach Ende der AüG jeder widerruflich freigestellt wird.
HR unterstützt diese freigestellten MitarbeiterInnen jetzt mit einer Aktion, damit diese wieder einen neuen Arbeitsplatz bekommen. Drei KollegInnen haben mittlerweile dadurch einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Lt. meinen Informationen wurden diese drei Stellen neu in München aufgebaut nach dem ok von NSN-Chef Rajeev Suri. Endlich mal eine positive Nachricht.
Zwei Kollegen haben sich was anderes gesucht und sind mittlerweile auch an Ihrem neuen Arbeitsplatz. Glückwunsch!
Die restlichen KollegInnen werden von HR mit Maßnahmen wie z.B. Bewerbungstrainings und Standortbestimmung unterstützt.
Mal sehen, was jetzt so alles passiert. Sollten alle WidersprüchlerInnen wieder einen neuen Job finden, wäre das natürlich eine wunderbare Sache.
(soso)
Samstag, 4.6.2011
Eine schockierende Zahl
Gestern in der SZ gelesen: Obdachlose in Deutschland sterben drei Jahrzehnte früher als andere, sie werden durchschnittlich nur 46,5 Jahre alt!
Grund seien meist Krankheiten, die eigentlich gut zu behandeln wären, aber aufgrund ihrer Lebensumstände unbehandelt blieben.
www.shortnews.de
(bt)
Samstag, 4.6.2011
Aufweichung der Vorrangprüfung in Mangelberufen?
Schon wieder ein Vorstoß zur Förderung verstärkten Zuzugs von Fachkräften aus Niedriglohn-Ausland, um nur ja keine älteren Arbeitsuchenden einstellen zu müssen:
Auf einer IAB-Tagung vertrat Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Hoofe den Standpunkt, da man "trotz der Bemühungen um Arbeitslose" (seit wann reicht es, sich "stets redlich zu bemühen"?) noch immer einen Fachkräftemangel sehe, sollte man die Vorrangprüfung in Mangelberufen aussetzen.
Diese Vorrangprüfung schreibt den Arbeitsagenturen dzt. vor, bei einer unbesetzten Stelle erst nach einem geeigneten Deutschen oder EU-Bürger zu suchen, bevor ein anderer Ausländer zum Zuge kommen kann. Künftig aber sollen, so zumindest Hoofe, Unternehmen Zuwanderer auch ohne diese Prüfung anstellen können, wenn sie in Berufen arbeiten, in denen die Bundesagentur für Arbeit einen Engpass sieht.
Was davon in der Praxis zu halten ist, kann man mit einem Blick auf seine Auflistung solcher Berufe feststellen:
Hoofe zählt u.a. Elektroingenieure zu besagten "Mangelberufen"!
Das ist dreist - schon mal versucht, als deutscher Elektroingenieur mit über 50 Jahren auf dem Buckel einen Job zu bekommen?
Die deutschen Beschäftigungsgesellschaften sind voll davon - und irgendwann folgt dann HartzIV. Aber der Elektroingenieur ist ein Mangelberuf - gut dass wir darüber gesprochen haben...
(bt)
Freitag, 3.6.2011
Gute Schlagzeilen über Alcatel-Lucent
Was lesen wir im Handelsblatt: Der Netzwerkausrüster ist gut ins Jahr gestartet, schafft neue Arbeitsplätze und in Deutschland rechnet der Konzern mit steigenden Erlösen, vor allem durch den Ausbau von Glasfasernetzen.
Ja so nah sind gute und weniger gute Schlagzeilen. Alcatel-Lucent ist ja auch schon etliche Jahre in der Krise und nun soll es damit ein Ende haben?
Na, ja, wir werden sehen. Die Ziele sind sehr ehrgeizig. Man will den Umsatz bei Technik und Dienstleistungen für neue Dienste um 10 -15 % steigern. Große Hoffnungen setzt man auf den Ausbau der Glasfasernetze und hier will man in Deutschland sogar die Nr. 1 werden. Nach der Mobilfunktechnologie LTE könnte dieser Ausbau zur Goldgrube werden.
Und weil gute Prognosen sich auch im Budget widerspiegeln, werden auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöht. Zusätzliche Arbeitsplätze sollen auch entstehen. Für 2011 erwartet der Konzern einen operative Marge von min. 5 %. Analysten sehen das etwas anders. Sie gehen nur von 1,6 und 2,5 % aus.
Ob es solche Schlagzeilen auch von Nokia Siemens Networks geben wird? Umsatzsteigerung, neue Arbeitsplätze? Es wäre mal an der Zeit. Aber nach all den Mitteilungen in der Presse, mir fehlt der Glaube an so etwas. Aber träumen darf man ja mal - oder?
(bebe)
Freitag, 3.6.2011
Und immer wieder Burn-out
Leider gibt es immer mehr Betroffene. Der immer größer werdende Arbeitsdruck, die Angst um den Arbeitsplatz und auch der mangelnde Zusammenhalt im Team sind oftmals die Ursache für einen Burn-out.
Die Volkskrankheit wird unter der Schlüsselnummer Z73.0 geführt. Medizinisch korrekt heißt das: "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung".
Die Wirtschaft kann mittlerweile das Problem auch nicht mehr ignorieren, da die Anzahl der Erkrankungen zwischen 2004 und 2010 um fast das Neunfache gestiegen ist. Viele der Betroffenen waren vor dem Zusammenbruch besonders aktiv und engagiert, umso heftiger ist dann der völlige Zusammenbruch.
Es ist ja nicht nur der Stress und Druck am Arbeitsplatz, auch die familiären Belastungen nehmen immer mehr zu und daher „brennen“ die Betroffenen von zwei Seiten aus. Frauen werden daher doppelt so häufig krankgeschrieben wie Männer. Besonders häufig tritt die Krankheit lt. einer Analyse in sozialen Berufen auf. Daher lohnt es sich, die Prävention in den Betrieben zu verbessern, damit die Zahl der "arbeitsbedingten Erkrankungen" zurückgeht.
Die IG-Metall hat mittlerweile eine Aktion unter dem Namen "Gute Arbeit im Büro" gestartet. Hoffen wir, dass diese Aktion auch zum Erfolg führt.
www.fr-online.de
(bebe)
Freitag, 3.6.2011
Was einem den Job kosten kann
Das Zitat des US-Schriftstellers Ernest Hemingway "Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen" kann man gut auf den Job beziehen.
Ein unbedachtes Wort kann einen schnell die Karriere kosten, denn es gibt immer wieder Menschen, die diese Fehler ausnutzen. Tratschtanten und Neider gibt es überall. Diese tragen alles weiter, um sich einen persönlichen Vorteil beschaffen zu können. Dies merkt man momentan sehr genau bei der Ausgliederung der Logistik bei Nokia Siemens Networks zu CapGemini. Manche zweifeln wohl an ihrer Entscheidung (dem Betriebsübergang zu CapGemini zu folgen) und meinen mit Diffamierungen und Unterstellungen die anderen KollegInnen schlecht machen zu können. Durch diese Schikanen wollen sie von der eigenen Unsicherheit ablenken.
Lt. Artikel 5 des Grundgesetzes hat jeder das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern, aber keiner darf den anderen beleidigen oder den Ruf des Arbeitgebers schädigen. In Ihrer Unbedachtheit vergessen das viele KollegInnen. Sie vergessen dabei aber auch, dass solche Äußerungen eine fristlose Kündigung nach sich ziehen können. Daher sollte man solche Äußerungen am besten unterlassen.
Ich möchte mit einem weiteren Zitat diesen Artikel beenden: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Quelle: Südwestpresse
(bebe)
Freitag, 3.6.2011
Was der Druck von Verbrauchern und Politikern bewirken kann
Viele Billiganbieter, u.a. Schlecker, Kik, Netto usw. haben ein schlechtes Image, das sie verändern möchten. Sie wurden wegen mieser Bezahlung der Mitarbeiter, ethischer Fehltritte bei der Personalpolitik oder Austausch der Stammbelegschaft durch schlechterbezahlte Leiharbeiternehmer/Innen, geheime Krankenakten, Verweigerung der Wahl eines Betriebrates usw. an den Pranger gestellt. Diese Öffentlichkeit bewegt die Firmen jetzt doch dazu, ihr Image zu verbessern.
Der Umsatz von Schlecker ging z.B. im Jahr 2010 um 16 % zurück. So etwas kann sich eine Firma natürlich auf Dauer nicht erlauben. Hier sieht man aber auch wieder, was öffentlicher Druck ausmachen kann. Auch wirken sich diese Campagnen auf den Arbeitsmarkt aus. Die Leute gehen nicht zu Firmen, bei denen sie sich schämen müssen zu arbeiten.
Es gibt aber noch genügend Bösewichte. Grundsätzlich ist es aber ein gutes Zeichen, dass die Firmen jetzt ihr Image aufpolieren. Hoffen wir auch, dass es zu keinen Rückfällen mehr kommt und auch die anderen lernen. Denn grundsätzlich gilt: Schlechte Schlagzeilen sind geschäftsschädigend.
(www.sueddeutsche.de)
(bebe)
Freitag, 3.6.2011
"Sozialverträgliche" Kündigungen bei NSN in Bruchsal
Kündigungen sind nicht sozialverträglich?
Richtig, das wissen wir, aber womöglich weiß es ja der Arbeitgeber nicht: Bei NSN in Bruchsal wurde vor einem halben Jahr ein Interessenausgleich über den "sozialverträglichen" Abbau von rund 150 Stellen ausgehandelt, und heute stellt sich heraus, wie das gemeint ist: Weil aus Firmensicht nicht genügend viele Kollegen freiwillige Trennungsangebote annahmen, sollen nun knapp 70 Beschäftigte (überwiegend ungelernte Kolleginnen in der Produktion) betriebsbedingt gekündigt werden.
Etwas peinlich, fast schon zum fremdschämen, kommen aber die Bemühungen der IG Metall rüber, dem doch noch auch ein paar gute Seiten abzugewinnen, damit man nicht gar so sehr als Verlierer dasteht. (nsn-dialog.de)
So gebe es zwar nun keine verbesserten Abfindungen und keine "attraktiven Pakete für ältere Mitarbeiter", dafür aber Kündigungen; dafür aber habe man doch immerhin das Repair Center erhalten und Altersteilzeitangebote erweitert und so die Zahl der Kündigungen klein halten können,
und uiiii aber auch: Ja, die nun von Kündigung betroffenen Kollegen dürften noch immer zu den gleichen Bedingungen wie bis vor dem 30. April in eine Transfergesellschaft wechseln - na wenn das mal kein Grund ist, die Sektkorken knallen zu lassen! Oder vielleicht doch nicht?
Der krampfhafte Versuch, das Hässliche schönzureden, geht noch weiter:
Immerhin habe man doch die Zahl der Ausbildungsplätze bis Ende 2014 (und dies bei besseren Übernahmebedingungen) festschreiben können (wohlgemerkt bei gleichzeitiger Kündigung der heutigen Kollegen!), ein Investitionsrahmen sei vereinbart worden und globale Funktionen blieben erhalten, und so weiter und so fort - mit der verblüffenden Schlussfolgerung:
Unter'm Strich habe man doch etwas erreicht, es sein ein Erfolg, ein "Erfolg der Belegschaft".
Wir kritisieren nicht den Betriebsrat für das, was in Wahrheit der Arbeitgeber anstellt und der Betriebsrat bei den gegebenen Kräfteverhältnissen dann auch nicht mehr verhindern konnte - wieso aber müssen die Metaller selbst in der größten Scheiße noch in Eigenlob für das wenige Erreichte ausbrechen (wie politische Parteien die jedes auch noch so schlechte Wahlergebnis als Wahlerfolg bezeichnen), wieso kann man sich nicht einfach mal darauf beschränken zu sagen: Das ist der Super-GAU, statt die Lösungsvorschläge des BR aufzugreifen entlässt die Firma zahlreiche Kollegen in eine HartzIV-Laufbahn!
Unsere Solidarität gilt den entlassenen Kollegen, und soweit Ihr Euch dagegen gerichtlich wehren wollt, wünschen wir Euch dazu viel Erfolg!
(cnn)
Donnerstag, 2.6.2011
Glück gehabt –Kündigung(en) nach NS-Spruch unwirksam
„Jawohl, mein Führer“ – dieser Spruch eines Bereichsleiters zu seinem Chef rechtfertigte nicht eine außerordentliche und auch nicht eine ordentliche Kündigung, die von der Firma nachgeschoben wurde, als die fristlose Kündigung nicht erfolgreich war.
Sowohl das Arbeitsgericht Koblenz als auch das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in zweiter Instanz entschieden jeweils für den Kläger und wiesen das Kündigungsbegehren zurück.(Az 11 Sa 353/10).
Obwohl die Richter den Ausspruch „Jawohl, mein Führer“ als beleidigend und nicht hinnehmbar hielten, wäre "eine Abmahnung als milderes Mittel gegenüber der Kündigung angemessen und ausreichend gewesen", weil es auch um die Prognose für das weitere Verhalten des Angestellten gehe. Das LAG ging zu Gunsten des Bereichsleiters davon aus, dass er den Spruch "Jawohl, mein Führer" leichtfertig ausgesprochen habe, die Beleidigung darin nicht erkannt und sich entschuldigte, nachdem der Vorgesetzte ihn zur Rede gestellt habe. Damit urteilten die Richter, dass die Kündigung ohne vorherige Abmahnung unverhältnismäßig war.
Glück gehabt – normalerweise kann dies auch anders ausgehen, siehe unser Artikel „Fristlose Kündigung wegen NS-Vergleich“ vom 28.2.2011. Allerdings hat das LAG in seinen Entscheidungsgründen auch eine Passage formuliert, die den Spruch nicht als direkten NS-Vergleich wertete:
„Die Anrede "Jawohl mein Führer" ist ein eindeutig aus dem nationalsozialistischen Sprachgebrauch entstammendes Zitat. Die Äußerung enthält unmittelbar weder einen Vergleich mit der Person noch mit dem Verhalten des "Führers" Hitler. Allerdings hat der Kläger die Anrede gewählt, mit der sich dieser als Ausdruck des unbedingten Befehlsgehorsams hat anreden lassen. Ein etwaiger Vergleich bezieht sich damit unmittelbar auf die Erwartung unbedingten Befehlsgehorsams.“
www.spiegel.de
(sh)
Mittwoch, 1.6.2011
Schlechte Neuigkeiten bei Nokia
So gut es NSN-Halbmutter Siemens dzt. geht, so schlecht geht es Nokia:
Nach einer Gewinnwarnung (Nokia kämpft mit roten Zahlen) stürzte der Aktienkurs um zeitweise knapp 17 Prozent auf ein neues Allzeit-Tief ab! (www.ftd.de)
Probleme hat Nokia nicht nur mit den Smartphones, sondern auch mit den billigeren Normal-Handys ("Feature Phones" werden die mittlerweile auch genannt).
(bt)
Mittwoch, 1.6.2011
Verwaayens Weltbild
Der Chef von Alcatel-Lucent hat in einem Interview mit der "Welt" interessante Ansichten zum Besten gegeben - die man ja nicht unbedingt teilen muss, genauso wenig wie die chronischen Verluste seines Unternehmens, die ja vielleicht auch nicht von ungefähr kommen. (www.welt.de)
So erklärt er (klingt bekannt?) „…hier hat niemand einen eigenen Schreibtisch, jeder sucht sich jeden Morgen einen Platz, der frei ist. Die Idee dahinter ist, dass der Hauptsitz des Konzerns klein sein sollte, denn er ist nicht der Nabel der Welt. Die Angestellten, die hier arbeiten, sollen nicht den Eindruck gewinnen, dass sie der Mittelpunkt der Erde sind.“
Aaah ja – die Mitarbeiter würden sich also als der Nabel der Welt aufführen (und dies mit schlimmen Folgen), wenn sie jeder einen eigenen Schreibtisch hätten, womöglich gar noch mit einem privaten Familienfoto drauf oder noch Schlimmerem? Am Ende könnten sie sich an ihrem Arbeitsplatz noch regelrecht heimisch fühlen, statt als austauschbares kleines Rädchen im Getriebe?
Würden sich womöglich noch wichtig nehmen? Flexible Desks also primär um die Mitarbeiter in ihrem Selbstwertgefühl klein zu halten?
Interessante Betriebspsychologie. Hmmm – nur mal so nachgedacht – wirklich „niemand“ hat einen festen Schreibtisch? Auch er selber nicht, den mit dem zitierten schönen Ausblick nämlich? Und falls doch, merkt er schon schädliche Nebenwirkungen an sich selber, so von wegen „Nabel der Welt“, und ist das vielleicht schuld an der mauen Geschäftsentwicklung seines Unternehmens?
Aber der gute Mann philosphiert munter weiter, u.a. mit folgender Aussage: „Wie viele Informationen man bekommen möchte, hängt davon ab, wer man ist - und leider auch davon wie alt man ist. Wenn jemand jünger als 25 ist, kann er mehr Informationen aufnehmen. Schauen Sie sich Videospiele an…“
Au Backe!
Klar verändern sich die Menschen und auch ihre Fähigkeiten und ihre Informationsaufnahmefähigkeit mit zunehmendem Alter, im Guten wie im Schlechten, und so darf es auch kein Tabuthema sein, darüber ganz offen zu reden, zumal wenn man in der Informations- und Telekommunikationsbranche ist; klar ist das typische Telekommunikationsverhalten stark altersabhängig.
Nur: Es kommt doch nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Qualität von Informationen an! Wie oft habe ich schon Eltern über ihren hoffnungsvollen Nachwuchs schwärmen gehört „der kennt sich ja soooo gut mit Computern aus, von morgens bis abends sitzt er am Bildschirm!“ Ja Respekt aber auch! Wenn man dann allerdings nachfragt, was der Filius da genau macht, dann erfährt man womöglich, dass er von morgens bis abends Videospiele macht, und von Computertechnik null Ahnung hat.
Sich auch nicht dafür interessiert – nicht alle Kiddies sind angehende Hacker! Wenn nun aber nicht etwa nur die stolze Mama Hinz und Papa Kunz glauben, Videospiele würden ihren Nachwuchs schon fit machen für ihre Zukunft, sondern sogar ein Konzernchef aus dieser Branche meint, kindliche Videospiele seien ein Beweis dafür, dass Ältere nicht mehr so viel Informationen bekommen möchten – wie gesagt: Au Backe!
Es wäre interessant zu wissen, welche Altersgruppen sich mehr für Informationen über die Weltpolitik (insbesondere für solche, die nicht in den öffentlichen Pressemedien zugänglich sind) interessieren, oder welche Altersgruppen besser über ihre Rechte, z.B. im Arbeitsrecht, Bescheid wissen – sind das wirklich die unter-25-Jährigen?
Aber wie gesagt: Das ist seine Meinung, und das darf es dann auch sein. Ist halt nur interessant, welches Menschen- und Weltbild diese hochrangige Führungskraft hat, und das mag wohl so manches erklären.
Was aber nicht zwingend heißen muss, dass das in anderen Firmen besser wäre…
(bt)
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